Der Bearbeitungsperimeter befindet sich an einer spannenden Schnittstelle zwischen dem um 1905 in Blockrand- oder Zeilenbauweise entstandenen Stadtteil Neu-Solothurn, dem Campus-ähnlichen, im Kreuzackerpark liegenden Ensemble der Gewerblich-Industriellen Berufsfachschule (GIBS) von 1950 und den westlich liegenden, später entstandenen Bauten, die den Übergang zur historisch gewachsenen Vorstadt und dem Dornacherplatz herstellen.

Städtebau


Prägendes und verbindendes Element dieser unterschiedlichen Stadtentwicklungen ist eine orthogonale Parzellenstruktur mit mehrgeschossigen Bauten die, gestärkt durch gemeinsame Gebäudefluchten, das städtische Gefüge als homogene Einheit erscheinen lässt. Der beabsichtigte Abbruch des eingeschossigen Werkstattgebäudes der GIBS ermöglicht es, die Lücke zwischen der östlich des Bearbeitungsperimeters liegenden Blockrandbebauung an der Berthastrasse und dem westlich liegenden Dornacherhof entlang der bestehenden Fluchten zu schliessen.



Entlang der Niklaus-Konrad Strasse wird analog des Dornacherhof und des Rosengartens der stützenlose Portikus weitergeführt, welcher zugleich den Haupteingang zur neuen Kaufmännischen Berufsfachschule (KBS) definiert. Der daraufliegende, auskragende Baukörper schmiegt sich an die bestenden Gebäudefluchten an. Das im Norden liegende und als erhaltenswert eingestufte Hauptgebäude der GIBS wird durch den Neubau der KBS umspühlt, bleibt jedoch als Solitär bestehen und wird als gleichwertiges
Gegenüber respektiert. Der Neubau bleibt ebenfalls Solitär, bindet jedoch durch die Umspühlung der bestehenden Bauten der GIBS das Ensemble an die übergeordneten Fluchten des Betrachtungsperimeters. Das Erdgeschoss wird im Bereich der Fuge an den bestehenden Bau angenähert und wiederspiegelt so die nahtlose Anbindung der beiden Institutionen KBS und GIBS.



Im Norden wird durch die präzise Setzung des Bauvolumens der Hof zwischen Neubau und Laubengang GIBS, seitlich gefasst durch Hauptgebäude GIBS und Dornacherhof, neu definiert. Der nördlich auslappende Bereich des Erdgeschosses übernimmt die Masstäblichkeit des GIBS Ensembles im Norden und schafft so eine räumliche Verzahnung zwischen Hof und Neubau. Zusätzlich gestärkt wird der gemeinsame Innenhof durch einen Platanenhain, unter dem die Zweirad-Parkierung erfolgt.

Erschliessung


Der Neubau reagiert sensibel auf die zu erwartenden Besucherströme und öffnet sich durch ein freies Erdgeschoss in mehrere Richtungen. Der Haupteingang befindet sich an der Niklaus-Konrad Strasse, welcher gleichermassen optimal vom Bahnhof SBB und vom Parkhaus Berntor erreicht wird. Die Anbindung von der Altstadt her erfolgt über einen zweiten Eingang nördlich, dem Haupteingang direkt gegenüber, welcher ebenfalls in einer Flucht mit der Anbindung des Zweiradabstellplatzes sowie der Aula und der Cafeteria liegt.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, südlich des Hauptgebäudes der GIBS die neue KBS zu betreten. Über diese Fuge erfolgt auch die Anbindung zwischen KBS und GIBS und dient als zukünftige Erschliessung der Mediothek im Untergeschoss der GIBS.

Identität


Der Neubau der KBS erhält entlang der Niklaus-Konrad Strasse eine starke, eigenständige Identität, wird aber durch sein Volumen und seine Verzahnung im Norden Teil des GIBS Ensembles und definiert neu mit diesem als Ganzes das Berufsbildungszentrum Solothurn. Das Erdgeschoss als Bindeglied der verschiedenen Nutzungen präsentiert sich zurückhaltend, während das daraufliegende Bauvolumen mit der Charakteristik des bestehenden Ensembles spielt, eine eigene Identität schafft und so wiederum die Verbindung zum Ganzen findet.





Das Gebäude öffnet sich in Richtung der Niklaus-Konrad Strasse im Süden sowie gegen den Kreuzackerpark im Norden und bietet durch die geschosshohen Verglasungen unterschiedliche, fokussierte Stadtraumperspektiven. Überhohe Aufenthaltsbereiche entlang der Südfassade sollen städtische Ein- und Ausblicke erlauben. Aus Respekt gegenüber dem Dornacherhof und der Blockrandbebauung an der Berthastrasse bleiben die kurzen Fassaden geschlossen und verstärken zugleich die Süd-Nord Ausrichtung des Neubaus.

 

 

Offener Wettbewerb Neubau Kaufmännische Berufsschule in Solothurn | Projekt Fred | Mitarbeit Stefan Schneeberger, Haustechnikplaner | 2009

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